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Weizenmarkt
sucht nach Orientierung
Trotz Frühjahrstrockenheit und
verregnetem Sommer konnte die
Weizenernte in Niedersachsen besser
als erwartet abgeschlossen werden.
Die Menge ging nur um 6,6 Prozent
zurück. Die Hektolitergewichte (80.0
– 88.0) sowie die
Tausendkorngewichte sind extrem
hoch. Allerdings liegen die
Proteinwerte um ca. 0,5 – 1 Prozent
unter den Vorjahreswerten. Bei der
Wintergerste gingen die Mengen um
ein Viertel (25,5%) zurück.
Mittelmäßige Erntemenge
In
Niedersachsen wurden 5,3 Mio.
Tonnen Getreide (Mittel Schätzung
1. Juli 2011 und 2. Oktober 2011)
geerntet, nach 5,8 Mio. Tonnen in
2010 und 6,8 in 2009.

Etwa im
gleichen Verhältnis verhalten sich
die Erntemengen Getreide in
Deutschland (in Mio. Tonnen):

Die
Weizenernte in Deutschland wird auf
22,9 Mio. Tonnen ge-schätzt (DBV
Schätzung: 20,6). In 2010 wurden
23,9 und in 2009 25,1 Mio. Tonnen
geerntet. Für den Rückgang der
Erntemengen, bei guten Qualitäten,
sind in erster Linie die gesunkenen
Hektarer-träge aufgrund der
fehlenden Niederschläge in der
gesamten Vege-tationsperiode
verantwortlich. Dies gilt neben
Weizen auch für Raps, Roggen,
Sommer- und Wintergerste.
Situation
am deutschen Getreidemarkt
Der
Getreidemarkt hat sich nach der
Ernte spürbar beruhigt. Auf die
Preise haben zunehmende Einflüsse
von außen die größte Wirkung.
Futter- und Brotweizen sind auf
einem Niveau angekommen, d. h. für
Backqualitäten gibt es keine
Zuschläge. Das fehlende
Exportgeschäft für Brotweizen und
die geringe Inlandsnachfrage
belasten die Preise. Die stetige
Nachfrage nach Futtergetreide
stabilisiert Forderungen. Die
hervorragende Maisernte in Europa
drückt die Preise, während der
globale Markt sehr knapp
eingeschätzt wird.
Situation
am EU-Getreidemarkt
In der
EU-27 sieht die Getreideernte
folgendermaßen aus (in Mio. Tonnen):

Deutliche
wetterbedingte Ertragseinbußen in
Teilen Westeuropas und bessere
Ernten in Ost- und Südeuropa sorgen
für eine gewisse Kompensation. Auch
die Erntemengen und Erntequalitäten
in England und Frankreich sind
besser als erwartet. Die Weizenkurse
an der Pariser Börse befinden sich
nach dem Hoch im August deutlich im
Rückwärtsgang, auch die Notierungen
beim Mais zeigen eine schwache
Tendenz. Das EU-Getreide konkurriert
am Weltmarkt mit günstiger Ware aus
der Schwarzmeerregion. Und es gab
umfangreiche Weizeneinfuhren zu
Beginn des Wirtschaftsjahres.
Weizenerzeugung und –verbrauch
weltweit
Nach einem
Abbau der Weizenendbestände weltweit
um 12 Mio. Tonnen in 2010 geht die
Schätzung für 2011 im Oktober davon
aus, dass dem Verbrauch von 674 Mio.
Tonnen eine produzierte Menge von
681 Mio. Tonnen gegenübersteht. Dies
ist fast so viel wie der
Produktionsrekord im Jahr 2008. Die
globalen Endbestände nehmen demnach
um 7 Mio. Tonnen leicht zu. Bei
Getreide insgesamt verringern sich
die Endbestände um 2 Mio. Tonnen.
Davon gehen die Maisendbestände um
7 Mio. Tonnen zurück, bei Gerste um
4 Mio. Tonnen.
Situation
am Weltmarkt
Angebot und
Nachfrage als Fundamentaldaten
werden durch politische
Entscheidungen mit maßgeblichem
Einfluss auf die Finanzmärkte in den
Hintergrund gedrängt. Die Einflüsse
aus den Energie-, Finanz- und
Aktienmärkten beeinflussen die
Anlageentschei-dungen und sorgen für
starke Kursausschläge auch bei
Getreide. Auch die „Wettermärkte“
entfalten partiell ihren Einfluss.
So schlagen die Trockenheit im Süden
und das nasse, kalte Wetter im
Norden der USA auf die Märkte durch.
Die US Maiserträge sind niedriger
als bisher erwartet, und Landwirte
und Händler machen sich Sorgen um
die Sommerweizenqualitäten sowie die
termingerechte Aussaat von
Winterweizen. Russland dominiert
zurzeit das Weizen-Exportgeschäft am
Weltmarkt und hat Zölle angekündigt.
Unsicherheit herrscht hinsichtlich
Angebot und Nachfrage für Mais und
Soja für China. So ist nicht klar,
ob China kauft.
Fazit
In Deutschland
haben wir in diesem Jahr eine engere
Marktversorgung mit Getreide, nicht
aber in der EU. Die Preise sind
jetzt deutlich schwächer als zu
Beginn, aber gestützt von knapper
Versorgungslage. Brot- und
Futterweizen sind preisgleich. Die
Warenströme am Weltmarkt ändern
sich: die USA und Europa verlieren
Marktanteile beim Weizenexport an
die Schwarzmeerländer. Der
Gerstenexport schrumpft wieder. Die
Ergebnisse der nächsten USDA
Schätzung werden mit Spannung
erwartet. Der Getreidesektor ist
sehr anfällig für die Einflüsse aus
dem Finanz-, Aktien- und
Rohstoffsektor. Die Wintersaaten –
außer Raps – sind häufiger und gut
im Boden. Es bahnt sich ein ruhiger
Getreidemarkt bis Frühjahr 2012 an.
Geringe Frachtkapazitäten in der EU
durch die niedrigen Wasserstände der
Flüsse und die hohen Frachtkosten
bremsen den Markt.
Der Importzoll
in der EU für 1,19 Mio. Tonnen
Futtergetreide wurde von 12,00 auf
0,00 €/ t gesenkt. Die
internationalen Frachtraten sind
niedrig. Weizen aus Argentinien wird
daher konkurrenzfähig. Chinas
Sojaimport beträgt trotz
Wirtschaftsschwäche ca. 60 Mio.
Tonnen. Das wechselhafte Wetter in
Südamerika beeinflusst die dortige
Sojaernte und führt zu
Unsicherheiten bei der Einschätzung
der Erntemengen. Mais ist auf dem
Weltmarkt knapp. Er konkurriert im
Anbau mit Soja. Die Ethanol-Politik
der USA wirft große Fragezeichen
auf. Eine tatsächlich entspannte
Mengenbilanz am Ende 2011/ 2012 kann
die Preise drücken.
Weltweit
steigt aber tendenziell die
Nachfrage nach Getreide. Der
aktuelle Weizenpreis hat ein
auskömmliches Niveau. Über
Vorverträge hat die Landwirtschaft
die gute Marktsituation seit der
Ernte genutzt. |