Arbeitsgemeinschaft des privaten Agrargewerbes Niedersachsen

 
 
   
   
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 Jahresschluss Pressegespräch Dezember 2011
 

  Konrad Weiterer

Landhandel Weiterer GmbH und
1. Vorsitzender der agw Landesgruppe Niedersachsen im Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft e.V. (BVA)
moderierte am 8. Dezember 2011
das Jahresschluss Pressegespräch – Getreide.

 
Es wurden folgende Themen behandelt:
 
 

Getreide
 

 

Preisdruck an den Märkten seit der Ernte
 

 
  • Weizenmarkt sucht nach Orientierung

  • Mittelmäßige Erntemenge

  • Situation am deutschen Getreidemarkt

  • Situation am EU-Getreidemarkt

  • Weizenerzeugung und –verbrauch weltweit

  • Situation am Weltmarkt

  • Fazit

 

Weizenmarkt sucht nach Orientierung

Trotz Frühjahrstrockenheit und verregnetem Sommer konnte die Weizenernte in Niedersachsen besser als erwartet abgeschlossen werden. Die Menge ging nur um 6,6 Prozent zurück. Die Hektolitergewichte (80.0 – 88.0) sowie die Tausendkorngewichte sind extrem hoch. Allerdings liegen die Proteinwerte um ca. 0,5 – 1 Prozent unter den Vorjahreswerten. Bei der Wintergerste gingen die Mengen um ein Viertel (25,5%) zurück.

Mittelmäßige Erntemenge

In Niedersachsen wurden 5,3 Mio. Tonnen Getreide (Mittel Schätzung 1. Juli 2011 und 2. Oktober 2011) geerntet, nach 5,8 Mio. Tonnen in 2010 und 6,8 in 2009.

Etwa im gleichen Verhältnis verhalten sich die Erntemengen Getreide in Deutschland (in Mio. Tonnen):

  • 2011: 45,2 bzw. 41,4 (Schätzung 1 und 2)

  • 2010: 44,3

  • 2009: 49,4

  • 2008: 49,7

  • 2007: 40,5

Die Weizenernte in Deutschland wird auf 22,9 Mio. Tonnen ge-schätzt (DBV Schätzung: 20,6). In 2010 wurden 23,9 und in 2009 25,1 Mio. Tonnen geerntet. Für den Rückgang der Erntemengen, bei guten Qualitäten, sind in erster Linie die gesunkenen Hektarer-träge aufgrund der fehlenden Niederschläge in der gesamten Vege-tationsperiode verantwortlich. Dies gilt neben Weizen auch für Raps, Roggen, Sommer- und Wintergerste.

Situation am deutschen Getreidemarkt

Der Getreidemarkt hat sich nach der Ernte spürbar beruhigt. Auf die Preise haben zunehmende Einflüsse von außen die größte Wirkung. Futter- und Brotweizen sind auf einem Niveau angekommen, d. h. für Backqualitäten gibt es keine Zuschläge. Das fehlende Exportgeschäft für Brotweizen und die geringe Inlandsnachfrage belasten die Preise. Die stetige Nachfrage nach Futtergetreide stabilisiert Forderungen. Die hervorragende Maisernte in Europa drückt die Preise, während der globale Markt sehr knapp eingeschätzt wird.

Situation am EU-Getreidemarkt

In der EU-27 sieht die Getreideernte folgendermaßen aus (in Mio. Tonnen):

  • 2011: 287 bzw. 279 (Schätzungen 2011)

  • 2010: 274

  • 2009: 294

  • 2008: 311

  • 2007: 255

Deutliche wetterbedingte Ertragseinbußen in Teilen Westeuropas und bessere Ernten in Ost- und Südeuropa sorgen für eine gewisse Kompensation. Auch die Erntemengen und Erntequalitäten in England und Frankreich sind besser als erwartet. Die Weizenkurse an der Pariser Börse befinden sich nach dem Hoch im August deutlich im Rückwärtsgang, auch die Notierungen beim Mais zeigen eine schwache Tendenz. Das EU-Getreide konkurriert am Weltmarkt mit günstiger Ware aus der Schwarzmeerregion. Und es gab umfangreiche Weizeneinfuhren zu Beginn des Wirtschaftsjahres.

Weizenerzeugung und –verbrauch weltweit

Nach einem Abbau der Weizenendbestände weltweit um 12 Mio. Tonnen in 2010 geht die Schätzung für 2011 im Oktober davon aus, dass dem Verbrauch von 674 Mio. Tonnen eine produzierte Menge von 681 Mio. Tonnen gegenübersteht. Dies ist fast so viel wie der Produktionsrekord im Jahr 2008. Die globalen Endbestände nehmen demnach um 7 Mio. Tonnen leicht zu. Bei Getreide insgesamt verringern sich die Endbestände um 2 Mio. Tonnen. Davon gehen die Maisendbestände um 7 Mio. Tonnen zurück, bei Gerste um 4 Mio. Tonnen.

Situation am Weltmarkt

Angebot und Nachfrage als Fundamentaldaten werden durch politische Entscheidungen mit maßgeblichem Einfluss auf die Finanzmärkte in den Hintergrund gedrängt. Die Einflüsse aus den Energie-, Finanz- und Aktienmärkten beeinflussen die Anlageentschei-dungen und sorgen für starke Kursausschläge auch bei Getreide. Auch die „Wettermärkte“ entfalten partiell ihren Einfluss.
So schlagen die Trockenheit im Süden und das nasse, kalte Wetter im Norden der USA auf die Märkte durch. Die US Maiserträge sind niedriger als bisher erwartet, und Landwirte und Händler machen sich Sorgen um die Sommerweizenqualitäten sowie die termingerechte Aussaat von Winterweizen. Russland dominiert zurzeit das Weizen-Exportgeschäft am Weltmarkt und hat Zölle angekündigt. Unsicherheit herrscht hinsichtlich Angebot und Nachfrage für Mais und Soja für China. So ist nicht klar, ob China kauft.

Fazit

In Deutschland haben wir in diesem Jahr eine engere Marktversorgung mit Getreide, nicht aber in der EU. Die Preise sind jetzt deutlich schwächer als zu Beginn, aber gestützt von knapper Versorgungslage. Brot- und Futterweizen sind preisgleich. Die Warenströme am Weltmarkt ändern sich: die USA und Europa verlieren Marktanteile beim Weizenexport an die Schwarzmeerländer. Der Gerstenexport schrumpft wieder. Die Ergebnisse der nächsten USDA Schätzung werden mit Spannung erwartet. Der Getreidesektor ist sehr anfällig für die Einflüsse aus dem Finanz-, Aktien- und Rohstoffsektor. Die Wintersaaten – außer Raps – sind häufiger und gut im Boden. Es bahnt sich ein ruhiger Getreidemarkt bis Frühjahr 2012 an. Geringe Frachtkapazitäten in der EU durch die niedrigen Wasserstände der Flüsse und die hohen Frachtkosten bremsen den Markt.

Der Importzoll in der EU für 1,19 Mio. Tonnen Futtergetreide wurde von 12,00 auf 0,00 €/ t gesenkt. Die internationalen Frachtraten sind niedrig. Weizen aus Argentinien wird daher konkurrenzfähig. Chinas Sojaimport beträgt trotz Wirtschaftsschwäche ca. 60 Mio. Tonnen. Das wechselhafte Wetter in Südamerika beeinflusst die dortige Sojaernte und führt zu Unsicherheiten bei der Einschätzung der Erntemengen. Mais ist auf dem Weltmarkt knapp. Er konkurriert im Anbau mit Soja. Die Ethanol-Politik der USA wirft große Fragezeichen auf. Eine tatsächlich entspannte Mengenbilanz am Ende 2011/ 2012 kann die Preise drücken.

Weltweit steigt aber tendenziell die Nachfrage nach Getreide. Der aktuelle Weizenpreis hat ein auskömmliches Niveau. Über Vorverträge hat die Landwirtschaft die gute Marktsituation seit der Ernte genutzt.

   
  Konrad Weiterer, Landhandel Weiterer, Algermissen
Hans-Heinrich Haarnagel, h3 Agentur für Presse und PR-Beratung, Algermissen

 
 
 

Text im PDF-Format:

   
Präsentation Konrad Weiterer am 08.12.2011:
AGW Arbeitsgemeinschaft privates Agrargewerbe Niedersachsen

   

 

Ansprechpartner der agw
 

 
  • Konrad Weiterer
    (Vorsitzender der agw) Landesgruppe Niedersachsen
    im Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft e.V. (BVA), Bonn
  • Walter Ulrich
    (Stellvertretender Vorsitzender der agw) Deutscher Kartoffelhandelsverband e.V. (DKHV), Berlin
  • Bruno Fehse
    Präsident des Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft e.V. (BVA), Bonn
  • Torsten Renken
    Deutscher Kartoffelhandelsverband e.V. (DKHV), Berlin
  • Peter Rautenschlein
    Präsident der Bundeslehranstalt Burg Warberg e.V.
  • Peter Link
    Bundeslehranstalt Burg Warberg e.V., Warberg
  • Thomas Mang
    Präsident des Sparkassenverband Niedersachsen
  • Günter Distelrath
    Geschäftsführer des Sparkassenverband Niedersachsen
  • Hans-Heinrich Haarnagel
    Pressereferent der agw

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